Percussion Time

Connecting Stone Age To Future

Special Guest

 

Bacary Olé Diedhiou (SN)

 

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Meister der Bougarabou

 

In seiner Heimat kennt ihn jeder als den großen Griot der Bougarabou. Er versteht es, alle Menschen zum Tanzen und Lachen zu bringen. Bacary spielt seine Bougarabous auf Festen, Hochzeiten, offiziellen Anlässen, Beerdigungen, Geburtstagen, auf Festivals und bei allen Gelegenheiten, bei denen Musik erklingt. Im Senegal, in Guinea, Guinea-Bissau und Gambia. So erwarb er sich den Ruf als lebende Legende. Wenn er während der Regenzeit in Europa verweilt, ist er fester Bestandteil von Percussion Time.

 
 

Die Presse berichtete

Während seines Aufenthalts in Europa im Sommer 2010 widmete die NRZ im Kulturteil Bacary eine halbe Seite. Das Ruhrgebiet war schliesslich auch Kulturhauptstadt Europas. Vielen Dank an Ann-Kathrin Brocks für den schönen Artikel, die Fotos schoss Christoph Wojtyczka:

Trommler der Ahnen

Der 63-jährige Senegalese Bacary Olé Diedhiou ist ein anerkannter Meister seines Fachs

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Die Erde scheintz zu beben, aber Bacary Olé Diedhiou strahlt übers ganze Gesicht: In traditioneller senegalesischer Tracht und mit Bommelmütze steht der 63-jährige im Keller von Holger Teuber und trommelt. Der Senegalese ist nicht irgendein Musiker: Er ist ein Großmeister der "Bougarabou" - der "Trommel der Ahnen" - und seit einigen Jahren Teubers Lehrer. Auf Einladung seines Schülers ist Bacary Olé Diedhiou seit Mitte Mai zu Besuch in Oberhausen: Hier lehrt er das Trommelspiel, trifft sich mit Musikerfreunden aus aller Welt und gibt Konzerte in Deutschland und Nachbarländern.

 

Früh angefangen

Bereits in der Jugend begann Diedhiou, der im Süden des Senegal aufgewachsen ist, mit dem Trommelspiel: Als Junge habe er nicht gewusst, was er mit seinem Leben anfangen solle und sich für eine Weile zum Nachdenken in den Dschungel zurückgezogen: "Dort habe ich die Trommel von Gott bekommen", sagt Diedhiou mit hörbarem Stolz in der Stimme. "Mein Vater war damit nicht sehr zufrieden", verrät der Senegalese. "Ihm wäre es lieber gewesen, ich wäre Ackerbauer geworden und hätte ihm auf dem Feld geholfen." Aber welcher Sohn mache schon, was der Vater wolle. Erst recht, wenn er von Gott zum Trommler berufen wurde ? Also widmete Diedhiou sein Leben dem Spiel der Bougarabou und wurde zum gefragten Trommler - nicht nur im Senegal.

 
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Bacary Olé Diedhiou kommt aus dem Senegal, aber der Westafrikaner fühlt sich in der Welt daheim. Und derzeit ist er zu Gast an der Werkstraße, von wo aus er Konzertreisen unternimmt.

Diedhiou trommelt mit Händen und Füßen und bewegt seinen Körper fast schon tänzerisch im Takt der Musik. "Die Trommeln sind meine Zunge", sagt er und erzählt von der Bedeutung und der Sprache der Musik. "Wenn ich trommle, verstehen die Menschen in Afrika was ich ausdrücken möchte - und auch einige hier", freut er sich. Dass seine Trommeln heilig und deren Klänge etwas Besonderes seien, erkenne auch der Laie. Beim Anblick der Trommel am Flughafen etwa hätten selbst Polizisten gestaunt und beim Transport mit angepackt.

 

Was er am Spiel der Bougarabou besonders schätze? Keine Frage: "Dass die Leute mich und meine Musik lieben." Wenn er trommle, dann begännen vor allem viele Frauen zu tanzen. "Das macht mich sehr zufrieden", sagt Diedhiou mit verschmitzdem Lächeln. Auch wenn er sichtlich stolz auf das Interesse an seiner Person ist, geht es ijm um viel mehr: "Das Wichtigste am Spiel der Bougarabou ist die Weitergabe der Tradition", sagt der 63-jährige.

Kompliziert

Die Afrikaner würden den Klang dieser "Trommel der Ahnen" lieben. Das Spiel sei aber so kompliziert, dass heutzutage nur noch wenige Senegalesen den Umgang mit dem seltenen Instrument erlernen wollen.

In Europa hingegen ist Diedhiou als Lehrer beliebt, manche Schüler - so wie der Oberhausener Holger Teuber - besuchen ihn mehrmals im Jahr, um neue Rhythmen zu erlernen und vom Können des Großmeisters zu profitieren. "So etwas sieht und hört man nie wieder", schwärmt Teuber. Sein Lehrer freut sich über die Begeisterung, Er unterrichte wirklich gern: "Nur wenn mein Schüler sich nicht konzentriert, macht mich das müde", sagt der 63-jährige und beginnt zu lachen: "Aber wenn er sich konzentriert, macht es ihn müde."

"Wenn ich spiele", sagt er, "dann schaue ich weder nach rechts noch nach links." Wenn er trommle, sei er vollkommen konzentriert, dann blitzen seine Augen und er lacht. Nur einmal sei ihm das Lachen vergangen: Während einer Übungsstunde im Garten rückte die Polizei an und beendete das Konzert. Bacary Olé Diedhiou ist überzeugt: "Hätten sie erst noch etwas zugehört, hätten sie mich unbegrenzt weiterspielen lassen."

Quelle: NRZ 29.7.2010, Text: Ann-Kathrin Brocks, Fotos: Christoph Wojtyczka

 
 
 

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